L(i)eben heißt Wachsen

Wenn ein Tsunami durch eure Beziehung fegt – oder die Frage, wie es nach einer Affäre weitergehen kann

In dem Moment, in dem eine Außenbeziehung auffliegt, tut sich für den oder die Betrogene der Boden unter den Füßen auf. Von einem auf den anderen Augenblick ist nichts mehr wie es war. Und für die meisten Paare stellt sich die Frage: Was nun? Ist jetzt alles vorbei?

So war es auch bei Jens und Franzi. Als er ihr eines abends sagte, dass er mit ihr reden müsste, bekam sie sofort ein mulmiges Gefühl im Bauch. Die nächsten Sätze rauschten wie im Nebel an ihr vorbei und dennoch traf sie jedes Wort mitten ins Herz. Sie konnte kaum noch atmen. Tausend und doch kein klarer Gedanke schwirrten durch ihren Kopf. Während er mit schweißnassen Händen neben ihr saß und kaum wagte, Luft zu holen.

Wie wird es nun weitergehen? Was bedeutet das für die Beziehung?

Das Auffliegen einer Affäre geht mit unfassbar viel Stress einher. Unser Gehirn ist in einem Ausnahmezustand, in dem nur noch ein automatisches „Überlebensprogramm“ abläuft.

1.     Was es jetzt auf jeden Fall braucht ist: ZEIT! Auch wenn – oder besonders weil – gerade ein Tsunami an Gefühlen in einem toben: am besten treffen wir jetzt nicht sofort eine Entscheidung. Ein überwältigender Mix an Verletzung, Wut, Enttäuschung, Angst und Trauer überfluten den oder die Betrogene.

Franzi zog sich ins Schlafzimmer zurück. Sie schwankte zwischen Wut und Tränen. Wie konnte das passieren? Hatte sie denn nichts bemerkt? Fragen rauschten ihr durch den Kopf. Sie wusste nicht, ob sie alles wissen wollte oder Jens einfach rausschmeißen sollte…

Gerade deshalb ist es gut, zunächst sich selbst Zeit zu geben. In dieser Situation eine Entscheidung zu treffen, könnte aus verletzten Gefühlen, aus Rache geschehen. Sich Zeit zur Verarbeitung zu nehmen ist in jedem Fall ratsam.

2.     REDEN! Und das am besten mit Respekt und in Ruhe. Wenn ihr wirklich verstehen wollt, was in eurer Beziehung gerade passiert ist – was mit euch gerade passiert ist, nehmt euch Zeit für gemeinsame Gespräche. (lies dazu gern meinen Beitrag: „Recht haben“ und „Schuld geben“ gehören nicht in eine Beziehung)

Franzi hat viel gegrübelt, sie hat mit ihrer Freundin geredet und letztlich auch viele Stunden mit Jens. Manche Fragen konnten beantwortet werden, andere nicht. Sie wollte so viel wissen – und gleichzeitig hatte sie Angst vor den Antworten. Jens wollte ihr auf keinen Fall noch mehr wehtun – ihr aber auch in ihrem Schmerz helfen. Auch er hatte Angst. Er liebte sie und wollte sie nicht verlieren.

Wie es ausgehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Manchmal ist eine Krise schlicht eine Katastrophe. Manchmal kann aus einer Krise eine Chance werden.

Wenn die Beziehung noch eine Chance hat, lohnt es sich, diese beiden Punkte zu beherzigen. Auch wenn es wahnsinnig schwerfällt: gib dir selbst und euch Zeit. Und sorg gut für dich. Tu mehr von den Dingen, die dir auch sonst guttun. Denn gerade jetzt brauchst du viel Kraft. Und wenn es wieder geht, redet miteinander. Versucht zu verstehen. Hört euch zu.

Bei einem echten Tsunami versucht kein einzelner Mensch oder ein Paar, alles wieder alleine aufzuräumen. Auch du oder ihr müsst diese Krise nicht allein bewältigen. Genau dafür sind Paarberater:innen da. Melde dich gern! Dann schauen wir gemeinsam, wie es weitergehen kann.